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Dienstag, 17. November 2015

Interview: Mara Laue

Interview: Mara Laue

Mara Laue

Ich möchte mich recht herzlich bei Mara Laue bedanken, da Sie sich bereit erklärt hat mir einige Fragen zu beantworten. Vielen Dank außerdem dafür, das Sie die Fragen so ausführlich beantwortet hat.
Dieses Interview findet Ihr im Folgenden, ich wünsche Euch viel Spaß dabei.

1. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Genau genommen aus Protest. Zu meiner Kindheits- und Jugendzeit (Sechziger- und Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts) gab es in der Kinder- und Jugendliteratur noch strenge „Geschlechtertrennung“. Nur die Jungs erlebten interessante Abenteuer, die Mädchen waren allenfalls schmückendes Beiwerk, die zu rettende Prinzessin oder der Klotz am Bein des Helden. Und die „Mädchenliteratur“ bestand aus für mich stinklangweiligen Internatsgeschichten oder später irgendwelchen Liebesschnulzen. Mädchen/Frauen, die zünftige Abenteuer erlebten wie ich sie liebe, gab es damals nicht. Irgendwann mochte ich diese stereotypen Geschichten nicht mehr lesen. Besonders weil sie ein Frauenbild vermittelten, das meiner Lebensrealität widersprach, in der es fast nur unabhängige, zupackende Frauen gab, die sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen ließen. Also habe ich eines Tages – da war ich zwölf – eine Geschichte geschrieben, in der ein Mädchen mit einem Wildpferd tolle Abenteuer erlebt. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich mit dem Schreiben nicht mehr aufhören konnte. Bis heute nicht.

2. War Autorin schon immer Ihr Traumberuf?
Jein. Ja, seit ich meine erste Geschichte geschrieben hatte, liebäugelte ich damit, eines Tages Schriftstellerin zu werden. Davor schwankte ich zwischen Astronautin, Tierärztin und Rennreiterin (Jockey). Ein echtes Ziel wurde es, als ich mit achtzehn meinen ersten Kriminalroman geschrieben hatte und das fertige Manuskript in den Händen hielt: knapp 400 damals noch handbeschriebene DIN A4 Seiten. Gleichzeitig war er auch mein erster Roman überhaupt, denn bis dahin hatte ich fast nur Kurzgeschichten und ein paar nicht allzu lange Erzählungen geschrieben sowie ein paar Gedichte.

3. Wovon lassen Sie sich beim Schreiben inspirieren? Bzw. woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher?
Ich hebe sie vom Boden auf, fange sie aus der Luft, erlausche sie mit den Ohren, seltener träume ich sie. Ich zitiere auf diese Frage gern die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916). Sie antwortete auf die Frage, woher Schriftsteller ihre Ideen, ihren „Stoff“ nehmen: „Bücken Sie sich, und heben Sie ihn auf, er wächst überall aus dem Boden. So strecken Sie die Hand aus, wenn Sie sich nicht bücken wollen, Stoffe fliegen zu Hunderten in der Luft herum.“ Besser lässt es sich nicht ausdrücken. Mir fliegen die Ideen einfach zu. Manchmal genügt ein Wort, ein Satz, der Anblick eines alten Bindfadens auf der Straße oder ein verlorener Knopf, und schon ist eine Idee da. Gegenwärtig habe ich so viele gesammelt, dass dieses Leben wohl nicht ausreichen wird, um sie alle zu Romanen oder Kurzgeschichten zu verarbeiten. Ich sage immer und meine das vollkommen ernst: „Geben Sie mir ein einziges beliebiges Wort und ich verarbeite es zu einer Story oder einem Gedicht. Geben Sie mir einen beliebigen Satz, und ich mache daraus einen Roman.“ Mehr brauche ich wirklich nicht als Inspiration.

4. Wie lange schreiben sie an einem Buch bis es fertiggestellt ist?
Das ist unterschiedlich und hängt davon ab, wie lang das Buch am Ende wird und davon, ob die Arbeit „flutscht“ oder ich mir, weil ich vielleicht gerade nicht besonders arbeitsmotiviert bin (keine Lust habe), jeden Satz aus den Gehirnwindungen quetschen muss. Außerdem schreibe ich nicht kontinuierlich immer nur an einem Buch, sondern habe mehrere gleichzeitig in Arbeit. Dadurch passiert es schon mal, dass ich an einem Roman wegen der Unterbrechungen über ein Jahr sitze, obwohl die Nettoarbeitszeit – über die führe ich für jedes Projekt genau Buch – nur 200 Stunden betragen hat. Aufgrund der genauen Buchführung kann ich aber sagen, dass man für jede gedruckte Seite eines fertigen Buches inklusive der Korrekturen und Überarbeitungszeiten bei mir durchschnittlich eine Stunde rechnen kann.

5. Hatten Sie schon mal eine Schreibblockade? Wenn ja, was tun Sie dagegen?
Eine Schreibblockade in dem Sinn, dass ich nicht wusste, was ich hätte schreiben sollen, hatte ich zum Glück noch nicht. Ich habe aber gerade eine Phase hinter mir, in der ich aus gesundheitlichen Gründen kaum arbeiten konnte. Hin und wieder kommt es vor, dass ich beim Schreiben nicht „sofort“ weiß, wie ich die nächste Handlung anschließen soll oder welche der folgenden Handlungen ich als nächste auf welche Art schildern soll. Dann schreibe ich an einer anderen Szene oder einem anderen Projekt weiter und fülle die Lücke(n) später aus. In der Situation hilft es mir dann, wenn ich das bisher Geschriebene vor dem „Neueinstieg“ ganz oder teilweise durchlese. Fast immer fällt mir dann ein, wie es weitergehen kann oder soll.
Nebenbei: Ich beginne sehr selten einen Roman am Anfang und schreibe ihn kontinuierlich fort, sondern ich schreibe immer die Szenen, zu denen ich gerade eine Idee habe. Wie ein Puzzle setze ich dann die Szenen irgendwann in der richtigen Reihenfolge zusammen, fülle die Lücken und schreibe die Übergänge. So kann ich am besten arbeiten.

6. Gibt es einen bestimmten Ort an dem Sie Ihre Bücher schreiben?
In meinem Arbeitszimmer. Ich habe allerdings mittlerweile auch viel Übung darin, in Hotelzimmern am Laptop zu schreiben. Denn auch wenn ich zu Lesungen oder zu den Buchmessen unterwegs bin, schreibe ich in der freien Zeit. Schreiben ist nicht nur mein Beruf, sondern auch meine Leidenschaft.

7. Zu welcher Tageszeit schreiben Sie am liebsten/sind Sie am kreativsten?
Nachts. Ich bin eine ausgesprochene „Eule“. Abends gegen neun oder zehn Uhr, wenn andere Leute langsam bettwärts schleichen, werde ich erst richtig munter. Meistens schreibe ich bin zwei Uhr morgens oder auch schon mal länger, wenn es flutscht. Vormittags und nachmittags arbeite ich natürlich auch (als Berufsschriftstellerin habe ich einen ganz normalen mindestens 8-Stunden-Arbeitstag, oft länger), aber mein Hauptarbeitsblock liegt am Abend bis in die Nacht.

8. Wer bekommt Ihre neusten Bücher, als erstes zu lesen, bevor diese in den Handel kommen?
Meine jeweiligen Lektorinnen und Lektoren. Nachdem ich die Rohfassung zweimal überarbeitet habe, gehen die Manuskripte immer direkt an den Verlag. Einige Verleger reichen sie noch an ausgewählte Testleser/-innen weiter, bevor sie ins Lektorat gehen. Darauf habe ich aber keinen Einfluss. Auch die Marketingabteilungen und die Buchhandelsvertreter lesen sie vorab, um mit ihnen buchstäblich 
„hausieren“ gehen zu können.

9. Was lesen Sie privat gerne für Bücher?
Dieselben Genres, in denen ich auch schreibe: Krimis, Okkult-Krimis, SF, Fantasy, Dark/Mystic/Paranormal Romance, Horror, aber auch sehr gern Lyrik und Theaterstücke. Ich mag die Stücke von Shakespeare, Brecht und Ayckbourne am liebsten. Es hängt aber sehr von meiner Stimmung ab, welchem Genre ich einige Zeit lang den Vorzug gebe.

10. Gibt es etwas das Sie Ihren Lesern gerne mitteilen wollen bzw. möchten?
Liebe Leserinnen und Leser, nach meiner Familie sind Sie alle die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Ich schreibe für Sie, und ich hoffe, dass es mir gelingt, Sie immer gut zu unterhalten und Ihnen kurzweilige Stunden zu schenken. Seien Sie alle ganz herzlich gegrüßt! Ihre Mara Laue.

1 Kommentar:

Jaimees Welt hat gesagt…

Zugegeben, ich kannte die Autorin gar nicht, aber sie kommt sehr sympathisch rüber! Ich finde diese Geschlechterteilung auch nicht toll! Auch Mädels können Abenteuerer sein und solche Geschichten lese ich auch sehr gerne!

Liebe Grüße
Jana